UNTERM RADAR I 07.10.2021_20 Uhr
György Ligeti_Jenö Takács_Sandor Veress

mit: Mario Häring (Klavier)

UNTERM RADAR II 22.10.2021_20 Uhr
Hanns Eisler_Andrzej Panufnik_Michal Spisak
Miloslav Kabeláč

mit: Günter Papendell (Bariton)_Piotr Plawner (Violine)
Eine Kooperation mit dem Schlesischen Kammerorchester Katowice (Polen)

UNTERM RADAR III 28.02.2022_20 Uhr
Arvo Pärt_Alexander Lokschin_Victor Bruns
Petris Vasks_Grigori Frid

mit: Martin Bruns (Bariton)_Jelka Weber (Flöte)_Dominik Wollenweber (Englischhorn)

„UNTERM RADAR“ –
UNANGEPASSTE MUSIK IM OSTBLOCK

Für viele Komponisten dieser Konzertreihe trifft zu, dass ihre Namen bis heute in Europa weitgehend unbekannt sind – das gilt auch für ausgesprochene Musikkenner – und ihre Kompositionen nicht aufgeführt werden. Da wartet eine Vielzahl von ungehobenen Musikschätzen, die entweder längst in das Repertoire der Klassischen Moderne aufgenommen gehören, oder aber als Wegbereiter der Neuen Musik auf die Podien der Konzertsäle.
Im Ostblock waren diese Musiker die wenigen Intellektuellen, die Übriggebliebenen des 2. Weltkriegs, die die gesamte nationale Musikkultur ihres jeweiligen Landes bewahren, weitergeben und neu entwickeln wollten. Sie mussten dafür bittere Schicksale in Kauf nehmen – ausgegrenzt, totgeschwiegen, vertrieben, ausgewiesen, bestraft, diskreditiert – und ihre verbotenen Werke liefen unterm Radar der öffentlichen Wahrnehmung.
Bis heute gibt es für diese musikalische Ära zwischen 2. Weltkrieg und der Wende 1989 keinen fachlichen Begriff, der dieser Zeit gerecht werden würde – auch die wenigen bekannten Komponisten, deren Werke in diesem Programm im Kontext zu den Unbekannten stehen - mit „sozialistischer Kultur“ haben sie alle jedenfalls nichts zu tun. Ein Grund findet sich wohl in den zu vereinzelten, zu unterschiedlichen, zu einsamen Entwicklungen der Komponisten, in jeder Biographie offenbart sich die räumliche oder innere Emigration, aber auch die Energie, der eigenen kulturellen Herkunft verbunden zu bleiben, eine Identität zu bewahren und zu entwickeln, oder musikalische „Mahnmale“ als Spiegel dieser Zeit zu schaffen.Für viele Komponisten dieser Konzertreihe trifft zu, dass ihre Namen bis heute in Europa weitgehend unbekannt sind – das gilt auch für ausgesprochene Musikkenner – und ihre Kompositionen nicht aufgeführt werden. Da wartet eine Vielzahl von ungehobenen Musikschätzen, die entweder längst in das Repertoire der Klassischen Moderne aufgenommen gehören, oder aber als Wegbereiter der Neuen Musik auf die Podien der Konzertsäle.
Im Ostblock waren diese Musiker die wenigen Intellektuellen, die Übriggebliebenen des 2.Weltkriegs, die die gesamte nationale Musikkultur ihres jeweiligen Landes bewahren, weitergeben und neu entwickeln wollten. Sie mussten dafür bittere Schicksale in Kauf nehmen – ausgegrenzt, totgeschwiegen, vertrieben, ausgewiesen, bestraft, diskreditiert – und ihre verbotenen Werke liefen unterm Radar der öffentlichen Wahrnehmung.
Bis heute gibt es für diese musikalische Ära zwischen 2. Weltkrieg und der Wende 1989 keinen fachlichen Begriff, der dieser Zeit gerecht werden würde – auch die wenigen bekannten Komponisten, deren Werke in diesem Programm im Kontext zu den Unbekannten stehen - mit „sozialistischer Kultur“ haben sie alle jedenfalls nichts zu tun. Ein Grund findet sich wohl in den zu vereinzelten, zu unterschiedlichen, zu einsamen Entwicklungen der Komponisten, in jeder Biographie offenbart sich die räumliche oder innere Emigration, aber auch die Energie, der eigenen kulturellen Herkunft verbunden zu bleiben, eine Identität zu bewahren und zu entwickeln, oder musikalische „Mahnmale“ als Spiegel dieser Zeit zu schaffen.

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UNTERM RADAR I 07.10.2021_20 Uhr
György Ligeti_Jenö Takács_Sandor Veress

mit: Mario Häring (Klavier)

UNTERM RADAR II 22.10.2021_20 Uhr
Hanns Eisler_Andrzej Panufnik_Michal Spisak
Miloslav Kabeláč

mit: Günter Papendell (Bariton)_Piotr Plawner (Violine)
Eine Kooperation mit dem Schlesischen Kammerorchester Katowice (Polen)

UNTERM RADAR III 28.02.2022_20 Uhr
Arvo Pärt_Alexander Lokschin_Victor Bruns
Petris Vasks_Grigori Frid

mit: Martin Bruns (Bariton)_Jelka Weber (Flöte)_Dominik Wollenweber (Englischhorn)

„UNTERM RADAR“ –
UNANGEPASSTE MUSIK IM OSTBLOCK

Für viele Komponisten dieser Konzertreihe trifft zu, dass ihre Namen bis heute in Europa weitgehend unbekannt sind – das gilt auch für ausgesprochene Musikkenner – und ihre Kompositionen nicht aufgeführt werden. Da wartet eine Vielzahl von ungehobenen Musikschätzen, die entweder längst in das Repertoire der Klassischen Moderne aufgenommen gehören, oder aber als Wegbereiter der Neuen Musik auf die Podien der Konzertsäle.
Im Ostblock waren diese Musiker die wenigen Intellektuellen, die Übriggebliebenen des 2. Weltkriegs, die die gesamte nationale Musikkultur ihres jeweiligen Landes bewahren, weitergeben und neu entwickeln wollten. Sie mussten dafür bittere Schicksale in Kauf nehmen – ausgegrenzt, totgeschwiegen, vertrieben, ausgewiesen, bestraft, diskreditiert – und ihre verbotenen Werke liefen unterm Radar der öffentlichen Wahrnehmung.
Bis heute gibt es für diese musikalische Ära zwischen 2. Weltkrieg und der Wende 1989 keinen fachlichen Begriff, der dieser Zeit gerecht werden würde – auch die wenigen bekannten Komponisten, deren Werke in diesem Programm im Kontext zu den Unbekannten stehen - mit „sozialistischer Kultur“ haben sie alle jedenfalls nichts zu tun. Ein Grund findet sich wohl in den zu vereinzelten, zu unterschiedlichen, zu einsamen Entwicklungen der Komponisten, in jeder Biographie offenbart sich die räumliche oder innere Emigration, aber auch die Energie, der eigenen kulturellen Herkunft verbunden zu bleiben, eine Identität zu bewahren und zu entwickeln, oder musikalische „Mahnmale“ als Spiegel dieser Zeit zu schaffen.Für viele Komponisten dieser Konzertreihe trifft zu, dass ihre Namen bis heute in Europa weitgehend unbekannt sind – das gilt auch für ausgesprochene Musikkenner – und ihre Kompositionen nicht aufgeführt werden. Da wartet eine Vielzahl von ungehobenen Musikschätzen, die entweder längst in das Repertoire der Klassischen Moderne aufgenommen gehören, oder aber als Wegbereiter der Neuen Musik auf die Podien der Konzertsäle.
Im Ostblock waren diese Musiker die wenigen Intellektuellen, die Übriggebliebenen des 2.Weltkriegs, die die gesamte nationale Musikkultur ihres jeweiligen Landes bewahren, weitergeben und neu entwickeln wollten. Sie mussten dafür bittere Schicksale in Kauf nehmen – ausgegrenzt, totgeschwiegen, vertrieben, ausgewiesen, bestraft, diskreditiert – und ihre verbotenen Werke liefen unterm Radar der öffentlichen Wahrnehmung.
Bis heute gibt es für diese musikalische Ära zwischen 2. Weltkrieg und der Wende 1989 keinen fachlichen Begriff, der dieser Zeit gerecht werden würde – auch die wenigen bekannten Komponisten, deren Werke in diesem Programm im Kontext zu den Unbekannten stehen - mit „sozialistischer Kultur“ haben sie alle jedenfalls nichts zu tun. Ein Grund findet sich wohl in den zu vereinzelten, zu unterschiedlichen, zu einsamen Entwicklungen der Komponisten, in jeder Biographie offenbart sich die räumliche oder innere Emigration, aber auch die Energie, der eigenen kulturellen Herkunft verbunden zu bleiben, eine Identität zu bewahren und zu entwickeln, oder musikalische „Mahnmale“ als Spiegel dieser Zeit zu schaffen.

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MEHR INFOS ZU DEN KONZERTEN:

UNTERM RADAR I 07. Oktober 2021

UNTERM RADAR II 22. Oktober 2021

UNTERM RADAR III 28. Februar 2022

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UNTERM RADAR I 07.10.2021_20 Uhr
György Ligeti_Jenö Takács_Sandor Veress

mit: Mario Häring (Klavier)

UNTERM RADAR I

BERLINER PHILHARMONIE, KAMMERMUSIKSAAL
PROGRAMM

Jenö Takàcs Sinfonia breve (dem Andenken Joseph Haydns) für Orchester
Jenö Takàcs Konzert für Klavier, Streichorchester und Schlagzeug op. 60
Sandor VeressOrbis tonorum
György LigetiKonzert Romanesk für Orchester

Mario Häring – Klavier
Jürgen Bruns – Dirigent
Kammersymphonie Berlin

Jenö Takàcs
1949 verließ er das kommunistisch regierte Ungarn in letzter Minute - der „Eiserne Vorhang” war bereits heruntergelassen. Er schrieb: „In einem Land mit solchen Beschränkungen der persönlichen Freiheit konnte ich kaum weiter bleiben. Unter der Gewaltherrschaft des Personenkults um Parteiführer Mätyäs Räkosi war niemand seiner Freiheit, ja nicht einmal seines Lebens sicher, selbst die Kommunisten nicht - Schauprozesse, Todesurteile, Deportation, Verhaftungen ohne Angabe von Gründen waren an der Tagesordnung.“

Sandor Veress
In Orbis tonorum von 1986 schlägt er einen geschichtlichen und zugleich autobiographischen Bogen, unter dem die aufgehobenen Erfahrungen seines Komponierens nochmals in Erscheinung treten: die Pentatonik, das Humoreske, der katastrophische Einbruch, klanglicher Stillstand, die entfaltete Pluralität freier Tonordnungen, die Parodie des blind Mechanischen – am Ende die prekär und fraglich gewordene Melodie.

Gyorgy Ligeti
...selbst schrieb: „In Budapest entstand eine Kultur des ‚geschlossenen Zimmers‘, in der sich die Mehrheit der Künstler für die ‚innere Emigration‘ entschied. Offiziell wurde der ‚sozialistische Realismus‘ oktroyiert. Geschrieben, komponiert, gemalt wurde im Geheimen und in der kaum vorhandenen Freizeit: Für die Schublade zu arbeiten galt als Ehre.“

UNTERM RADAR I
7. Oktober 2021 - 20:00 Uhr
Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal
TICKETS

Section Image Unterm Radar 2

UNTERM RADAR II 22.10.2021_20 Uhr
Hanns Eisler_Andrzej Panufnik_Michal Spisak
Miloslav Kabeláč

mit: Günter Papendell (Bariton)_Piotr Plawner (Violine)
Eine Kooperation mit dem Schlesischen Kammerorchester Katowice (Polen)

UNTERM RADAR II

BERLINER PHILHARMONIE, KAMMERMUSIKSAAL
PROGRAMM

Andrzej Panufnik Harmony - Poem für Kammerorchester
Michael Spisak Andante und Allegro
Andrzej Panufnik Violinkonzert
Hanns Eisler Ernste Gesänge
Miloslav Kabelàc 4. Sinfonie

Günter Papendell – Bariton
Piotr Plawner – Violine
Jürgen Bruns – Dirigent
Kammersymphonie Berlin
Schlesisches Kammerorchester Katowice (Polen)

Andrzej Panufnik
Ausgerechnet im Wendejahr 1989 komponierte Panufnik das Stück „Harmonie“ – seiner Frau Camilla gewidmet. Der Titel bezieht sich im vertikalen Klang auf neuntönige Tonleitern, baut den horizontalen Klang auf zwei dreitönigen Melodielinien auf, und die „harmonische“ Verwendung basiert auf gleichmäßigen Verschiebungen der Metren. Die Komposition ist stereophon angelegt, Dialoge zwischen Streichern und Holzbläsern symbolisieren Gleichberechtigung.

Michael Spisak
Mit ein Stipendium der Schlesischen Musikgesellschaft für ein Studium in Paris bei Nadja Boulanger, verließ er Polen 1937. Es war ihm nicht klar, dass Frankreich für den Rest seines Lebens seine zweite Heimat werden würde, was erheblichen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung des Komponisten hatte, der einen eigenen feinen neoklassischen Stil entwickelte.

Hanns Eisler
Die „Ernsten Gesänge“ von 1962 gehören ins Spätwerk; sie sind Eislers letzte vollendete Arbeit und gezeichnet von politischer Resignation. Die artikuliert der Komponist der DDR-Staatshymne, allerdings verklausuliert, mit Versen Hölderlins und Leopardis. Mit deren Hilfe projiziert sich Eisler am Lebensende in eine Tradition der Gescheiterten.

Miloslav Kabelàc
...hatte ab 1958 eine Professur für Komposition am Prager Konservatorium, musste diese Position jedoch schon nach einigen Jahren aufgeben – er war nicht bereit, den von der tschechischen Kulturbürokratie als Maßstab propagierten Sozialistischen Realismus zu akzeptieren. Sein Schaffen wurde dafür nach Ende des Prager Frühlings bis zu seinem Tod im eigenen Land weitgehend ignoriert und totgeschwiegen. Seine 4. Symphonie „Camerata“ für Kammerorchester, entstand in den wenigen glücklichen Jahren seiner Professur in Prag, und ist eines seiner optimistischen Werke, uraufgeführt 1959 in Prag.

UNTERM RADAR II
22. Oktober 2021 - 20:00 Uhr
Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal
TICKETS

28. November 2021
Konzertwiederholung in Katowice (Polen)

 

 

Section Image Unterm Radar 3

UNTERM RADAR III 28.02.2022_20 Uhr
Arvo Pärt_Alexander Lokschin_Victor Bruns
Petris Vasks_Grigori Frid

mit: Martin Bruns (Bariton)_Jelka Weber (Flöte)_Dominik Wollenweber (Englischhorn)

UNTERM RADAR III

BERLINER PHILHARMONIE, KAMMERMUSIKSAAL
PROGRAMM

Arvo Pärt Silouan‘s Song
Alexander Lokschin 5. Sinfonie
Victor Bruns Konzert für Flöte und Englisch Horn, Schlagzeug und Streicher op. 74
Petris Vasks Musica dolorosa
Grigori Frid 3. Sinfonie für Streicher und Pauke

Martin Bruns - Bariton
Jelka Weber - Flöte
Dominik Wollenweber - Englischhorn
Jürgen Bruns - Dirigent
Kammersymphonie Berlin

Arvo Pärt
...experimentierte nach dem Studium in Tallin und Moskau mit den verschiedensten Musikströmungen wie Collage-, Zwölftontechnik oder Serialismus – alles erregte den Unwillen der Kulturfunktionäre, wurde als nicht systemkonform angesehen.

Alexander Lokschin
Die Sinfonie Nr. 3 (1966) nutzt Verse aus dem „Song of the Dead“ von Rudyard Kipling. Die Ballade „Danny Deever“ beschreibt den Morgen der Hinrichtung eines Soldaten um anschließend mit dem Gedicht „Boots“ den Marsch der Infanterie-Kolonne zu besingen. Diese Textwahl Lokschins stand eindeutig in starkem Gegensatz zur offiziellen Staatsideologie und konnte damals nicht aufgeführt werden.

Victor Bruns
Die fürchterliche Willkür unter Stalin verschonte auch die aus dem russischen Ollila stammende Familie Bruns nicht. Verbannung, Lagerhaft und Tod trafen Verwandtschaft, zu den üblichen, konstruierten Vorwürfen - konterrevolutionäre Tätigkeit, trotzkistische Verschwörung - kam bei den in der Sowjetunion lebenden Deutschen noch der Spionageverdacht hinzu. Victor Bruns und seine beiden Brüder, monatelang inhaftiert, kamen mit der Ausweisung aus der Sowjetunion 1938 vergleichsweise glimpflich davon.

Petris Vasks
...kopierte er in seiner „Musica dolorosa“ von 1983 persönliches und nationales Leid distanziert ineinander, um den Tod der Schwester und die Unterdrückung seines Volkes musikalisch zu bewältigen. In dem hintergründigen, vieldeutigen Konzentrat aus Konstruktion und Emotion brodelt es, Linien verdichten und überschneiden sich zu Klangknoten mit Herzschlägen tief innen, und das Orchester seziert die Passion, statt sie lamentierend auszustellen.

Grigori Frid
Die kompakte Sprache seiner 3.Sinfonie changiert zwischen düsteren Landschaften und schicksalshaften, die Elegie des Lebens singenden, langsamen Sätzen. Nur im Allegro energico zeigt sich der Wechsel von mechanischen Rhythmen als kraftvolle, vitale Auflehnung, zu kammermusikalischen Passagen: als Ausdruck des Wissens um den eigenen unverbrüchlichen Weg.

UNTERM RADAR III
28. Februar 2022 - 20:00 Uhr
Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal
TICKETS

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